Zum Inhalt springen
2018_09_21__vpb_Steiner_Berlakovich_Siess_Mirth_Buschenschank-Kampagne.JPG
|   Steiner Thomas

Initiativen für die Buschenschank-Kultur

Heurige und Buschenschänke im Burgenland: Typischer geht’s nicht! Doch die bäuerliche Ausschank mit eigenem Wein oder Most wird immer seltener. Rund 380 Buschenschänke gibt es im Land, das sind um hundert weniger, als noch 2011 schätzt die Landwirtschaftskammer. „Das darf nicht noch weniger werden. Es ist uns allen ein großes Anliegen den Erhalt dieses Kulturgutes im Burgenland zu sichern“, so Landesparteiobmann Thomas Steiner, Georg Menitz, Matthias Mirth und Matthias Siess unisono. Mit vergangener Woche ging das Buschenschank-Gesetz – gespickt mit Forderungen aus der ÖVP-Familie – in Begutachtung. Zudem startet die Volkspartei Burgenland eine Kampagne mit dem Titel „Ich bin ein Heurigen-Fan!“.

„Zur kulinarischen Dreifaltigkeit im Burgenland gehört das Kaffeehaus, der Heurige und das klassische Wirtshaus – leider sind hier in vielen Bereichen die Zahlen rückläufig. Sinken die Zahlen weiter, geht uns nicht nur Lebensqualität, sondern auch ein Teil der burgenländischen Gemütlichkeit verloren“,  so Steiner. Rot-Blau hat nun endlich reagiert und das Buschenschank-Gesetz auf das Drängen der Volkspartei in Angriff genommen. „Die langjährigen Forderungen unserer Buschenschank-Betreiber sind nun auch im Gesetzesvorschlag, mit dem auch unsere Vertreter der Gastronomie gut leben können“, so Steiner. Dennoch gibt es Verbesserungspotenzial, denn tatsächlich eingebunden war die Landwirtschaft wieder einmal nicht. „Das hat offensichtlich Methode. Aber wir sehen das gelassen, Hauptsache die Buschenschank-Kultur wird gerettet. Besser gut geklaut als schlecht erfunden“, stellt Steiner fest. Die Volkspartei ist einmal mehr der thematische Schrittmacher im Burgenland.

Menitz: „Feintuning für Buschenschank-Gesetz notwendig“ 

Großteils zufrieden mit den Punkten im neuen Buschenschank-Gesetz zeigt sich Kammerrat und Buschenschank-Betreiber Georg Menitz, allerdings wurde durch die Landwirtschaftskammer in den Gesetzgebungsprozess und die Verhandlungen nicht eingebunden. „Wir freuen uns, dass unsere langjährigen Forderungen, wie die längeren Öffnungszeiten, der Zukauf von Trauben bei Ernteausfällen, mehr Speisenangebot (Mehlspeisen) aufgenommen und teilweise entbürokratisiert wurden. Doch in einigen Bereichen müssen wir jetzt im Nachhinein ein Feintuning vornehmen, das nicht notwendig gewesen wäre.“ 

„Ich darf zum Beispiel – geht es nach dem jetzigen Vorschlag – nicht einmal meinen eigenen Sekt oder Frizzante ausschenken. Das ist unverständlich!“, so Menitz. Auch dürfen Buschenschänke bei Fruchtsäften aus der eigenen Produktion nur bestimmte Fruchtsorten (Apfel, Birnen oder Beerenobst)  anbieten. „Was ist mit dem eigenen Kirschsaft oder Marillensaft?“, so Menitz. Zugekauft werden dürfen übrigens alle antialkoholischen Getränke, aber auch nur sofern sie kohlensäurehaltig sind. 

Unverständlich ist auch, dass Gesellschaftsspiele – abgesehen der erlaubten Kartenspiele - nicht erlaubt sind. „Streng genommen, dürfte man also im Heurigen nicht einmal für die Kinder ein Mensch-Ärgere-Dich-Nicht haben“, so Menitz. Zudem sind einige Dinge immer noch zu kompliziert: Ein Leithaprodersdorfer Winzer, der einen Weingarten in Purbach hat, darf den Wein etwa nicht in seinem eigenen Heurigen ausschenken. „Da stellt sich neben der Frage der Sinnhaftigkeit ja auch die Frage der Kontrollierbarkeit“, so Menitz. 

„Wir müssen den Jungen den Heurigen schmackhaft machen – und zwar den Kunden und den potenziellen Nachfolgern. Denn der Altersschnitt bei den Heurigenbesitzern ist derzeit sehr hoch. Die Registrierkassenpflicht, Barrierefreiheit und der Nichtraucherschutz treffen und trafen die Heurigen genauso, wie die klassische Gastronomie. In vielen Betrieben stellt sich damit die Frage, ob die nächste Generation das übernimmt und sich das ‚antut‘. Denn investieren tut nur jene Betriebe, die auch Vertrauen in die Zukunft hat“, so Menitz.

Mirth: „Rahmenbedingungen müssen für alle passen“

„Auch die klassische Gastronomie will, dass das Kulturgut Heurige erhalten bleibt. Um den Neusiedler See herum findet man noch klassische Buschenschänke. Aber in meiner Region im Süden müssen Gäste lange suchen, bis sie einen Buschenschank finden – sei es am Eisenberg oder in Heiligenbrunn. Dennoch gehört die Frage ‚Wer hat ausgesteckt‘ in vielen heimischen Regionen einfach dazu. Und wer geht nicht gerne auf ein Glaserl Wein und eine Brettljausn? Deswegen haben wir auch einige Zugeständnisse, wie etwa die längeren Öffnungszeiten oder das größere Speisen- und Mehlspeisangebot gemacht“, so Matthias Mirth, Gastronomievertreter der Wirtschaftskammer. Er betont weiter: „Aber ein faires Miteinander braucht einfach ordentliche Rahmenbedingungen und die müssen auch kontrolliert werden.“ Der Heurige ist wie das Dorfwirtshaus burgenländische Tradition und sichert als Nahversorger auch Lebensqualität. 

Siess: „Buschenschänker wichtig für unsere Weinregionen“  

Der Buschenschank war früher für viele Winzer ein wichtiges Standbein. In den letzten Jahren sind die Auflagen für viele zu groß geworden. Dabei ist der Heurige für das gesellschaftliche, aber auch das touristische und wirtschaftliche Umfeld wesentlich. „Die Weinorte laufen Gefahr, bei Touristen ihre Attraktivität zu verlieren, wenn die Betriebe wegbrechen“, so Siess, er betont weiter: „Egal ob der Klassik-Festspielbesucher, der Radfahrer oder die Familie, die den Familypark besucht – ein Heurigenbesuch ist für die meisten Burgenlandtouristen ein interessanter Programmpunkt. Die Menschen wollen nicht nur Wein beim Winzer trinken, sondern in einem gemütlichen Umfeld auch regionale Produkte genießen“, so Siess abschließend. 

Begleitend zur inhaltlichen Arbeit wird die Volkspartei eine Image-Kampagne für die Buschenschank-Betreiber starten. Unter dem Titel „Ich bin ein Heurigen-Fan“, möchte die  Volkspartei auf das Thema aufmerksam machen und sich mit den kleinen Familienheurigen solidarisch erklären. „Es gibt ‚Spritzerdeckel‘ statt ‚Bierdeckel‘ und natürlich für die Lieblingsbeschäftigung vieler Heurigen-Besucher Schnapskarten“, so Steiner. Unterstützen kann man das burgenländische Kulturgut auch online unter www.heurigenfan.at