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1700-Euro-Netto Mindestlohn im Burgenland bedeuten …

„… Arbeitsplatzvernichtung oder Preissteigerung im Burgenland“, fassen Landesgeschäftsführer Christoph Wolf und Wirtschaftsbund-Generalsekretär Kurt Egger zusammen. Bei einer abrupten Steigerung der Personalkosten blieben den Unternehmen nur zwei Optionen laut Egger: „Mit weniger Mitarbeitern auszukommen oder Preise anzuheben. Ungarn und die Slowakei würden sich bedanken.“ Eine Ausweitung auf die Privatwirtschaft, aber auch der Druck über die Ausschreibungen und Vergaben würde den Wirtschaftsstandort massiv in Bedrängnis bringen und vor allem auch die kleinen Betriebe im Burgenland. „Da geht es nicht nur um den großen Baukonzern, der irgendwann vielleicht einmal das Spital in Oberwart baut, sondern vor allem auch um die kleinen regionalen Betriebe. Den kleinen Bäcker oder Fleischer, die täglich die Semmeln oder die Wurst in die KRAGES-Spitäler liefern“, so Christoph Wolf. Wolf weiter: „Wir sind einer Meinung, dass die Menschen mit ihrem Einkommen auskommen sollen und dass ihnen mehr im Börsel bleiben soll. Doch der Weg dorthin ist mehr Netto vom Brutto und kein gesetzlicher, überhöhter Mindestlohn.“

„Es geht nicht um das Gehalt von einigen im Landesdienst, sondern um faire Entlohnung für alle“, so Christoph Wolf. Der Mindestlohn im Land ist das eine, eine Umsetzung in der Privatwirtschaft etwas völlig anderes. „Das ist absurd. Die Unternehmer müssen diese Mehrkosten erst einmal gemeinsam mit ihren Mitarbeitern erwirtschaften und können es nicht aus dem allgemeinen Steuersäckel einfach zahlen. Und das bringt vor allem die kleinen Unternehmen in massive Bedrängnis. Dienstleistungstourismus und Pfuscherwesen würde Tür und Tor geöffnet. Das kostet wiederum Arbeitsplätze“, stellt Wolf fest. Das ist eine nicht durchdachte Schlagzeilenpolitik, denn gerade das Burgenland ist aufgrund seiner geografischen Lage ohnehin zu anderen Staaten in einem ständigen Konkurrenzkampf.

Egger: „Mindestlohn trifft vor allem ertragsschwache Branchen und einkommensschwache Familien hart!“

„Wenn ein Bundesland diesen Schritt setzt, hat das natürlich Auswirkungen auf die anderen“, so Kurt Egger, Generalsekretär des Wirtschaftsbundes. Österreich hat im öffentlichen Dienst 350.000 Beschäftigte. Für die Unternehmer heißt 1700-Netto-Mindestlohn wiederum Kosten von 3400 Euro. Egger dazu: „Das muss man erst einmal erwirtschaften. Das Steuergeld ausgeben ist dagegen leicht.“ Lohnpolitik soll weiter bei den Sozialpartnern bleiben. „Werden in der Wirtschaft die Mitarbeiter abrupt teurer, kann sich der Unternehmer diese nicht mehr leisten. Das bedeutet, dass der Mindestlohn von 1700 Euro netto vor allem ertragsschwache Branchen massiv treffen würde und tausende Arbeitsplätze im Burgenland vernichten würde“, so Egger. Eine ertragsschwache Branche sei vor allem auch der Lebensmittelhandel. Hier liegt der KV-Mindestlohn unter 1.700, und Personalkosten sind ein wesentlicher Kostenfaktor für Unternehmer. „Teurere Lebensmittel würden besonders einkommensschwache Familien treffen, denn diese geben rund 18 Prozent ihrer monatlichen Ausgaben für Nahrungsmittel aus, Gutverdiener jedoch nur acht Prozent“, so Egger. Internationale Erfahrungen aus Frankreich und Griechenland zeigen außerdem, dass ein zu hoher Mindestlohn vor allem Unqualifizierten und Jugendlichen am Arbeitsmarkt schadet. Daher ist dort auch die Jugendarbeitslosigkeit wesentlich höher als die allgemeine Arbeitslosenrate.

Weitere Rechenbeispiele unter Einbeziehung der Lohnnebenkosten/Sonderzahlungen:

  • Kaffee kostet statt wie bisher rund 3 Euro nunmehr 4,50 Euro
  • Männerhaarschnitt kostet statt 20 Euro nunmehr 36 Euro

Marianne Hackl: „Lohnpolitik darf nicht der Spielball im Landtagswahlkampf sein“

„Für mich bedeutet das, dass der Haarschnitt fast das doppelte kostet oder ich muss Mitarbeiter entlassen“, so Hackl, die seit 25 Jahren einen typischen burgenländischen Frisörbetrieb führt. Hackl betont weiter: „Hier wird eine Gesellschaft gespalten und wir bekommen wieder Verhältnisse wie vor 50 Jahren! Denn der Konsument wird wieder abwandern. In die benachbarten Bundesländer oder nach Ungarn.“ Sie fordert: Lohnpolitik darf nicht der Spielball für die Landtagwahl werden.

Tanja Stöckl: „Stemmen gemeinsam mit den Mitarbeitern unsere Unternehmen.“

„Ich habe sehr verantwortungsvolle Mitarbeiter, die schon sehr lange bei mir sind. Das ist nicht nur ein Team, sondern eine Familie, die gemeinsam Verantwortung trägt und das Unternehmen gemeinsam stemmt. Das ist in den meisten Klein- und Mittelbetrieben so – und das sind schlussendlich 82 Prozent der Unternehmen. Und wir lassen uns nicht in Verruf bringen und von Rot-Blau nachsagen, dass wir Gauner sind“, so Stöckl. Sie fordert wieder eine ordentliche Gesprächskultur.

 

 

Christoph Wolf

Finanzen, Vereine, Sport, Rechungshofausschuss

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